Historie

Seit 1981 ist nicht nur in der großen Welt, sondern auch im kleinen Schröderstift mit seinen knapp 100 Bewohnern zu viel passiert, um alles hier angemessen zusammenzufassen. Daher wird folgend die Entstehung der Selbstverwaltung umrissen.

Von 1971 bis 1979 vermietete das Studentenwerk über zeitlich befristete „Nutzungsverträge“ die Wohneinheiten an Studenten. 1980 war die städtische Verwaltungsgesellschaft (SAGA) aus finanziellen Erwägungen nicht mehr bereit, die Gebäude weiterhin zu erhalten, und erneuerte somit nicht mehr ihren Vertrag mit dem Studentenwerk. Dies führte dazu, daß die Bewohner des Schröderstiftes im Herbst keine neuen Verträge bekamen und Anfang November aus der Tagespresse erfahren mußten, daß ein Abriß der Gebäude beabsichtigt sei.

Der Kerngebietsausschuss Eimsbüttel setzte sich dafür ein, über die Bezirksversammlung und den Senat die SAGA zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen. Alle Beteiligten wurden zu einem Gespräch eingeladen, um über die Zukunft des Schröderstifts zu sprechen. Diese Gespräche scheiterten, woraufhin das Studentenwerk den Mietern mitteilte, ihre Verträge seien abgelaufen und es sei mit einer weiteren Nutzung der Wohnungen nicht einverstanden.

Gegengutachten und Eigeninitiative

Den geplanten Abriss des historischen Schröderstifts wollten die Bewohner nicht hinnehmen. © Stiftsarchiv Wiwi

Den geplanten Abriss des historischen Schröderstifts wollten die Bewohner nicht hinnehmen. © Stiftsarchiv Wiwi

Die Mehrzahl der Mieter war entschlossen, den Wohnraum nicht preis zu geben. Sie überwiesen ihre Mieten auf ein Sperrkonto, bildeten eine Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit, organisierten Infostände und waren auf den entscheidenden Versammlungen (Kerngebietsausschuss, Bezirksversammlung, Bauauschuss) präsent. Einem SAGA Gutachten, das die Häuser für unbewohnbar und eine Instandsetzung für technisch nicht durchführbar erklärte, wurde mit diesen Geldern ein Gegengutachten gegenübergestellt. Außerdem begannen die Bewohner in Eigeninitiative Schäden an den Gebäuden zu beheben.

Wir lebten in einem rechtlosen Zustand: Studentenwerk und SAGA fühlten sich nicht mehr zuständig und der Bezirk zuckte mit den Schultern. In dieser Zeit machten wir viele Go-ins. Wir veranstalteten mit großem Erfolg einen Tag der offenen Tür und ein Solidaritätsfest in der Uni-Mensa. Wir trafen uns wöchentlich, um weitere Vorgehensweisen zu diskutieren und zu planen.

Vereinsgründung und Instandsetzungspläne

Es wurden eine Menge Kontakte zu Politikern und anderen entscheidenden Institutionen und auch zur Presse geknüpft, auch gab es Demonstrationen und Unterschriftenaktionen. Am 24.2.1981 sollte der Senat der Hansestadt endgültig über das Schröderstift entscheiden. Am 8.2.1981 gründeten wir den Verein Mieterselbstverwaltung Schröderstift e.V., der sich der Stadt als neuer Mieter anbot. Der Senat entschied zunächst die Angelegenheit an den Bezirk zurückzugeben und stellte DM 500.000,- bereit, um die gröbsten Mängel an den Gebäuden zu beheben. In diesem Jahr wurden bereits viele Reparaturen in Eigenleistung durchgeführt, die Selbstverwaltung begann zu funktionieren. Im Mai fand ein großes Fest auf unserer Wiese statt und wir beauftragten als Architekten das “Planerkollektiv” mit der Erstellung der notwendigen Instandsetzungspläne unter Einbeziehung der Mitarbeit der Bewohner.

Die Mieterselbstverwaltung übernimmt das Schröderstift

Dies alles und eine Vielzahl hier nicht aufgeführter Kontakte und Aktivitäten führte schließlich dazu, daß auch der Bezirk die Forderungen der Mieterselbstverwaltung unterstützte (DM 869.000,- für die Instandsetzung, Selbstverwaltung und einen 5-Jahresplan). Daraufhin entschied sich der Senat am 13.10.1981 dafür, dem „Modell“ Mieterselbstverwaltung die Gebäude zunächst zu überlassen.

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