Selbstverständnis

Was macht die Mieterselbstverwaltung Schröderstift aus, wie ist das Selbstverständnis der Vereinsmitglieder? Die Meinungen sind vielfältig und individuell.

Andersartig?

Sind wir irgendwie anders? Die Mieterselbstverwaltung Schröderstift ist keine bessere oder schlechtere Gesellschaft als irgendeine andere.

Arbeit und Verantwortung wird auch hier gern dem Nachbarn überlassen und sich über dessen Fehler beklagt. Der revanchiert sich dafür manchmal mit ähnlich „guter“ Arbeit wie mancher Amtsträger in anderen Verwaltungen oder Familienverbünden.

Blick auf die Kirchenkuppel. © Stiftsarchiv Wiwi

Blick auf die Kirchenkuppel. © Stiftsarchiv Wiwi

Aber wir haben die Chance ergriffen, die sich uns bot, als 1980 die Stadt diese Stiftung aufgeben wollte. Wir haben uns zu einem eingetragenen Verein und zuverlässigen Vertragspartner der Stadt zusammengerauft.

Denn das Schröderstift ist im Kern eine ganz großartig ausgewogene Wohnanlage. Es ist ein Dorf in der Stadt, in dem man studieren kann, warum sich Menschen so oder anders verhalten. Man sieht dieselben Untugenden und Todsünden wie in der „Großen Weiten Welt vor der Haustür“. Nur in kleinerem Maßstab.

So wie auch die Wohnungen eher klein sind und selten perfekt ausgestattet. Wer hier einzog, war selten ein verwöhnter Mensch, der sich über fehlenden Luxus beklagt. Eher einer, der froh war, ein Zimmer oder eine Wohnung bekommen zu haben.

Wir haben diese schöne Wohnanlage fast kostenlos geliehen bekommen und uns dafür mit der Instandsetzung und Pflege bedankt. Die Früchte dieser Arbeiten kommen uns selbst zugute. Aber wir teilen sie gern mit der „normal“ zur Miete oder im Eigenheim wohnenden Nachbarschaft.

(Gerd Hamann, 9.3. 2011)

 

30 Jahre

Das Schröderstift wird von seinen Bewohnern seit 30 Jahren für die Stadt Hamburg unterhalten.

Gebäudepflege im Sinne des Denkmalschutzes. Ein Kleinod wird für die Hamburger liebevoll erhalten und mit Leben gefüllt. Bei der Restaurierung werden nach alten Zeichnungen die Formsteine gefertigt. Bei Ziegeleien in Dänemark.

Die Stadt Hamburg pumpt keinen Cent in die Anlage. Das Schröderstift bezahlt sämtliche Unterhaltskosten und sogar die Grundsteuer.

Westflügel der Anlage. © Stiftsarchiv Wiwi

Westflügel der Anlage. © Stiftsarchiv Wiwi

Wo die Stadt versucht, Projekte des Zusammenlebens zwischen Jung und alt aus dem Boden zu stampfen und als Versuch der Begegnung tituliert, hier im Schröderstift funktioniert dieses seit 35 Jahren. Wo bei anderen Wohnformen der Hausmeister gerufen wird, im Schröderstift klappt das seit 30 Jahren durch Selbsthilfe.

Die Verwaltung entsteht von innen. Alles notwendige wird von den Bewohnern erledigt. Ein Projekt, welches seit 30 Jahren funktioniert und auch weiter funktionieren wird, wenn man uns lässt. Keine Verschuldung, wie bei öffentlichen Kassen üblich. Das Schröderstift finanziert sich selber.

Ein aktiver Haufen, der für seine Umgebung und für die Stadt Hamburg eine Leistung vollbringt, die einmalig ist.

(Robert Merges, 23.12.2010)

 
 

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